Der MERLIN VERLAG, 1957 in Hamburg gegründet, trägt den Namen des keltischen Zauberers mit Bedacht. Von ihm heißt es, er sei aus der Verbindung des Teufels mit einer Königstochter hervorgegangen. Die magischen Kräfte des Satans stellte Merlin in den Dienst der von der Mutter ererbten Tugenden.

Für den Verlag bedeutet das „die Verpflichtung für ein Programm, das der Literatur und Kunst die spirituelle Bewältigung der Not der Existenz zum Thema stellt.“ In diesem Sinne bemüht sich der MERLIN VERLAG, einer allein am materiellen Erfolg orientierten Spezialisierung der Verlagsprogramme ein universelleres Selbstverständnis entgegenzusetzen.


Im Jahr 2007 feiert der MERLIN VERLAG sein 50jähriges Bestehen. Damit gehört er zu den am längsten existierenden unabhängigen deutschen Verlagen. Immer wieder gelang es ihm, mit ebenso bedeutsamen wie kontroversen Veröffentlichungen auf sich aufmerksam zu machen und auf diese Weise die literarische Landschaft im Nachkriegsdeutschland entscheidend mitzugestalten.

Einer der ersten Autoren des Verlags war Jean Genet, dessen 1960 veröffentlichter Roman NOTRE-DAME-DES-FLEURS einen der wichtigsten deutschen Literaturprozesse der letzten 50 Jahre auslöste. Die Staatsanwaltschaft Hamburg leitete ein Verfahren nach § 184 StGb wegen "Verbreitung unzüchtiger Schriften" gegen den Verleger Andreas J. Meyer ein, die bereits gedruckten Exemplare des Buches sollten eingezogen werden. Doch der Prozess endete mit einem Freispruch. In einem juristischen Präzedenzfall entschied das Hamburger Landgericht, dass der Roman aufgrund seines hohen künstlerischen Werts für einen intelligenten Leser nicht anstößig sein könne, trotz der darin enthaltenen Obszönitäten.

In den folgenden Jahrzehnten blieb das Programm des MERLIN VERLAGS der Überzeugung treu, dass auch unliebsame Geister in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden müssen. So gab der Verlag unter anderem eine erste Studienausgabe der Werke des Marquis de Sade heraus, veröffentlichte die Bücher des rebellischen Norweger Jens Bjørneboe, die Provokationen des gläubigen Katholiken und umstrittenen Niederländers Gerard Reve sowie Georges Batailles Studie über den Marschall von Frankreich und legendären Kindermörder Gilles de Rais, er startete eine "Bibliothek der geheimen Wissenschaften und magischen Künste" und scheute auch nicht die Auseinandersetzung mit dem sprachgewaltigen Autor Louis-Ferdinand Céline, der wegen seiner antisemitischen Pamphlete bis heute polarisiert.

Im von Anfang an verfolgten Bemühen um die bibliophile Ausstattung möglichst vieler Bücher wurde in enger Verbundenheit mit der damals stilbildenden Künstlergruppe der Werkstatt Rixdorfer Drucke eine Grafikedition angegliedert.
Hier erschienen unter anderem verschiedene Arbeiten von Johannes Grützke und Horst Janssen. Auch der vielseitige Autor Janosch konnte zunächst für ein Grafikprojekt gewonnen werden, bevor er anschließend seinen Roman SANDSTRAND und seine Theaterstücke für Erwachsene im MERLIN VERLAG publizierte.
Zudem gehören hierher zahlreiche Ausstellungskataloge, Bilderkalender und Künstlerbücher.

In Anerkennung seiner anspruchsvollen Ziele und langjährigen Arbeit erhielt der MERLIN VERLAG im Jahr 1984 den ersten von der Wochenzeitung DIE ZEIT ausgesetzten Preis für kleinere Verlage.

Zuletzt wurde der stete Einsatz für das Werk von jungen und unbequemen Autoren und Autorinnen im Jahr 2000 durch die Verleihung des Niedersächsischen Verlagspreises gewürdigt.

Heute ist der MERLIN VERLAG in Gifkendorf bei Lüneburg ansässig.
Die Verlagsräume, die sich in einem ausgebauten Bauernhof befinden, beherbergen auch eine Galerie, in der Lesungen, Kunstausstellungen und Konzerte stattfinden.
Besuch ist nach Voranmeldung herzlich willkommen.


Unter den laufenden Buchprojekten ist die Jean Genet-Werkausgabe hervorzuheben, die 1998 begonnen wurde und sich zum Ziel gesetzt hat, das Œuvre des französischen Dichters und Romanciers ungekürzt und in neuen Übersetzungen vorzulegen.

Darüber hinaus bietet das Programm zum 50jährigen Jubiläum des Verlags erneut ungewöhnliche und äußerst spannende Publikationen.
So erscheint im Oktober mit HARRAGA bereits der vierte Roman des, in Frankreich wegen seiner an Céline erinnernden herausragenden Sprachlebendigkeit gefeierten, algerischen Autors Boualem Sansal.
Außerdem legt die vielgespielte Theaterautorin Claire Dowie ("Warum trägt John Lennon einen Rock?") mit CHAOS ihren Debutroman vor.
Im Theaterbereich erscheint Carles Batlles neues Stück TRANSIT als Buchausgabe.
Und auch die Reihe der Veröffentlichungen zu Louis-Ferdiand Céline wird fortgesetzt: Die BRIEFE AN FREUNDINNEN entstanden zwischen 1932 und 1948 - sie geben erneut einen faszinierenden Einblick in das komplexe Innenleben des umstrittenen Dichters.



Wenn Sie mehr über den Verlag wissen möchten, empfehlen wir:

Die ausführliche Geschichte des Verlags
mit umfangreichem Bildmaterial aus dem Merlin-Archiv


sowie:

40 Jahre Merlin,
Hommage für den Verleger Andreas J. Meyer
zahlreiche Abb, 192 S., Ln., DM 38,--
ISBN 3-926112-82-4

1997 wurde das Doppeljubiläum vom Merlin-Verleger A. J. Meyer (70 Jahre) und seinem Verlag (40 Jahre) gefeiert. Der aus diesem Anlass entstandene Band enthält eine Verlagschronik und zahlreiche Beiträgen von Freunden, Autoren, Künstlern, Kollegen, die den Weg des Verlags während der vielen Jahre begleitet haben.