GENET-WERKAUSGABE


Für die einen war er der "Orpheus der Gosse", für andere ein Heiliger und Märtyrer, für wieder andere ein schreibender, schockierender Trieb-Vagabund. Die Ver-öffentlichung seiner Romane provozierte die Kritiker der Feuilletons ebenso, wie seine poetische Sprache sie anzog - die Erstaufführungen seiner Stücke waren weltweit von Skandalen begleitet.
Rund 40 Jahre nach der Erstveröffentlichung der deutschen Buchausgabe von Notre-Dame-des-Fleurs, die sei-nerzeit einen Prozeß wegen des Vorwurfs der Unzüch-tigkeit nach sich zog, haben die Werke Jean Genets ihren festen Platz in der Literaturgeschichte des 20. Jahrhun-derts. Grund genug, seine Romane, Gedichte, Dramen, Essays und Schriften endlich in einer einheitlich gestalteten, mehrbändigen Werkausgabe vorzulegen.
In der nun vom Merlin Verlag vorbereiteten Ausgabe werden erstmals die integralen Textfassungen vorgelegt, die sich an den Erstausgaben aus den 40er Jahren orientieren. Damit werden endlich auch die für die Veröffent-lichungen in den 50er Jahren von Genet eigenhändig vorgenommenen Streichungen der Texte zugänglich. Die einstigen Striche des Autors sind in den Fassungen dieser neuen Ausgaben diskret markiert und geben dem Leser somit die Möglichkeit zu einer neuen, literarischen Auseinandersetzung mit dem Werk des weltberühmten französischen Dichters und Dramatikers. Jedem Band ist eine editorische Notiz von Dr. Friedrich Flemming und ein Nachwort zur Editionsgeschichte des jeweiligen Ein-zelwerkes beigefügt. Die Vorsatzillustrationen entwarf der Hamburger Künstler Martin Bronsema.



vorläufiger Editionsplan der Werkausgabe





Bd. I Notre-Dame-des-Fleurs (Urfassung)
Neuübersetzung von Gerhard Hock
mit einem Nachwort von Armin Huttenlocher.
352 S., Lw. EUR 19,50,-- ISBN 3-926112-67-0

Bd. II Wunder der Rose (Urfassung)
Übersetzung von Manfred Unruh
Nachwort von J.-P. Bejaoui
536 S., Lw. Eur 24,50,-- ISBN 3-926112-97-2

Bd. III Pompes Funèbres (Urfassung)
Übersetzung und Nachwort von Marion Luckow
436 S., Lw. EUR 24,50
ISBN 3-87536-207-1

Bd. IV Querelle de Brest (Urfassung)

Bd. V Tagebuch des Diebes (Urfassung)
Neuübertragung aus dem Französischen von Gerhard Hock,
350 S., Ln. EUR 23,--
ISBN 3-87536-213-6

Bd. VI Ein verliebter Gefangener
Neuübertrageung von Ulrich Zieger,
672 S., Ln., EUR 29,90 / sfrs. 52,20
ISBN-13: 978-3-87536-253-4

Bd. VII Gedichte
überarbeitete Übersetzung von Gerhard Edler und einer editorischen Notiz von Friedrich Flemming
deutsch-französisch, 200 S., Ln.,
EUR 18,40 ISBN 3-87536-236-5

Bd. VIII Dramen

Bd. IX Essays
Bd. X Interviews
Bd. XI Nachlaß


Die Veröffentlichung der Einzelbände erfolgt in loser Reihenfolge. Geplant sind jeweils zwei Bände pro Jahr.







bereits erschienen



NOTRE DAME DES FLEURS


Jean GENET - Werkausgabe - BAND I - NOTRE-DAME-DES-FLEURS -
Roman - aus dem Französischen von Gerhard Hock, mit einem Essay von Armin Huttenlocher - 226 S. Ln. EUR 19,50 ISBN 3-926112-67-0



Der erste autobiografische Roman von Jean Genet wurde unter Vermittlung von Jean Cocteau im Jahr 1943 veröffentlicht. Cocteau, der als einer der ersten das Manuskript las, schrieb dazu damals: "Der Sprengkörper Genet. Das Buch ist hier, in dieser Wohnung, fürchterlich, obszön, unpublizierbar, unvermeidbar. Man weiß nicht, wie es nehmen... Für mich bedeutet es das große Ereignis der Epoche." Die erste Veröffentlichung der deutschen Übersetzung von Notre-Dame-des-Fleurs löste hierzulande den bedeutendsten Literaturprozeß nach dem Krieg aus, der mit einem Sieg für die Freiheit der Literatur endete. Mit diesem ersten Band der Werkausgabe legt der Merlin Verlag die Übersetzung der Urfassung des Romans vor, die auch die vom Autor später gestrichenen Passagen und eine Einführung von Armin Huttenlocher enthält.















WUNDER DER ROSE


Jean GENET - Werkausgabe - Band II - WUNDER DER ROSE - Roman - aus dem Französischen von Manfred Unruh - 536 S., Lw. EUR 24,50
ISBN 3-926112-97-2


Urfassung mit den integrierten, einst gestrichenen Passagen. Versehen mit einer editorischen Notiz von Friedrich Flemming und einem Nachwort von Jean-Pierre Bejaoui.
In diesem zweiten frühen Roman beschreibt Jean Genet seine Kindheit. Er tut dies als Dichter, der die Enttäuschungen, Demütigungen und Schrecken seiner elternlosen Jugend mit Hilfe der Poesie zu verzaubern und zu verherrlichen versteht.















DAS TOTENFEST



Jean GENET - Werkausgabe - Band III - DAS TOTENFEST - Roman - aus dem Französischen von Marion Luckow - 436 S., Lw. EUR 24,50
ISBN 3-87536-207-1


Die Handlung fällt in die Zeit des Aufstandes gegen die deutsche Armee in Paris im August 1944. Auf den Dächern der Stadt erfüllt sich durch Verrat und Tod die Liebe zwischen einem deutschen Panzerschützen und einem kollaborierenden Milizsoldaten. Gleichzeitig wird aus der Fülle der Bilder ein einziger, verzweifelter, schmerzlicher Nachruf auf den erschossenen Freund des Dichters.

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TAGEBUCH DES DIEBES


Jean GENET - Werkausgabe - Band V - TAGEBUCH DES DIEBES - Journal du Voleur, Urfassung, Neuübertragung aus dem Französischen von Gerhard Hock, 350 S., Ln. EUR 23,--
ISBN 3-87536-213-6



Autobiografie und Imagination verbindet Jean Genet in diesem Roman zu einem poetischen Bericht über die Jahre seines Umherschweifens durch Europa. Eine inbrünstige Verherr-lichung des durchlittenen Elends. "TAGEBUCH DES DIEBES", schrieb Ruth Herrmann in der ZEIT, "ist dasjenige Buch Genets, das am ehesten den Zugang zu seinen eigentlichen Absichten öffnet."













EIN VERLIEBTER GEFANGENER

Jean GENET - WERKAUSGABE - Band VI - EIN VERLIEBTER GEFANGENER Neuübersetzung von Ulrich Zieger,
672 S., Ln., EUR 29,90 / sfrs. 52,20
ISBN-13: 978-3-87536-253-4




1970, nach dem „Schwarzen September”, reiste Jean Genet in den Nahen Osten, besuchte die Palästinenserlager in Jordanien und Syrien und lebte mehr als ein Jahr auf Einladung von Arafat bei den Fedajin. Im September 1982 reiste Genet erneut in den Nahen Osten. Er war in Beirut als einen Tag nach der Ermordung des libanesischen Präsidenten Gemayel ein grausames, unbegreifliches Massaker in den Palästinenserlagern Sabra und Chatila stattfand. Genet suchte den Ort des Entsetzens auf und verfaßte seinen Bericht „Vier Stunden in Chatila”. Das Erlebte veranlaßte ihn, sein jahrzehntelanges schriftstellerisches Schweigen noch einmal zu brechen:
Zurück in Paris begann Genet die Arbeit an seinem letzten Werk „Ein verliebter Gefangener”, das er im Herbst 1985, nur wenige Monate vor seinem Tod am 15. April 1986, abschloß.

„Die Neuübersetzung im Rahmen der Genet-Edition bei Merlin bietet Gelegenheit zur Wiederlektüre und führt vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Ereignisse im Nahen Osten auf bestürzende Weise vor, wie aktuell es nicht nur literarisch, sondern auch politisch bleibt.”
Joseph Hanimann, Süddeutsche Zeitung

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GEDICHTE


Jean GENET- WERKAUSGABE - Band VII - GEDICHTE überarbeitete Übersetzung von Gerhard Edler und einer editorischen Notiz von Friedrich Flemming
deutsch-französisch, 200 S., Ln.,
EUR 18,40 / sfr. 30,80 ISBN 3-87536-236-5




"Klage und Hymne zugleich." DIE ZEIT

Der Band GEDICHTE enthält sämtliche lyrischen Werke des Dichters, die als bibliophile Erstausgaben-Einzelbände nur noch teilweise lieferbar sind: DER ZUM TODE VERURTEILTE, DER FISCHER VON SUQUET, EIN LIEBESGESANG, DIE PARADE, DIE GALEERE, TRAUERMARSCH und DER SEILTÄNZER (Übersetzung Manon Griesebach).










PRESSESTIMMEN ZUR WERKAUSGABE





Band I: Notre-Dame-des-Fleurs

„Buch des Monats Februar 1999“ Darmstädter Jury

„Die Freude ist groß. ... Hock trifft ihn, den Genetschen Ton, den Genetschen Sprachduktus: die Poesie des Obszönen.“
C. Bernd Sucher, Süddeutsche Zeitung

„Eine außergewöhnliche editorische Leistung“
Darmstädter Echo

„Empfohlen“ R. Morsbach, ekz-Informationsdienst

„diese augezeichnete Übersetzung... wird auch für die nächste, skandalfreie, künstlerisch kompromiß- lose Rezeptionsphase Genets maßgebend bleiben.“
Joseph Hanimann, FAZ

„Genet bleibt eine Herausforderung - kein Autor hat der bürgerlichen Gesellschaft so tiefe Wunden geschlagen wie er.“ Hans Jansen, WAZ

„Aufregend.“ Ina Hartwig, Frankfurter Rundschau

„Die möglich gewordene Rezeption bisher unterschlagener Passagen ist zweifellos ein Gewinn. Grund, den „Orpheus der Gosse“ zu lesen, gibt es freilich auch so genug.“
Thomas Laux, Neue Zürcher Zeitung